CDU Ortsverband Kettwig

Neubauprojekt Kettwiger Ruhrbrücke kommt

Kipphardt (CDU): Verbindung über die Ruhr muss auch während der Brückensanierung stets möglich sein

Im Umkreis von mehreren Kilometern ist die Kettwiger Ruhrbrücke die einzige Verbindung für Fußgänger, Autos, LKWs und Fahrradfahrer über die Ruhr. Diese stark frequentierte Brücke muss dringend saniert werden.

Schon seit vielen Monaten steht Kettwigs Ratsherr Guntmar Kipphardt (CDU) deshalb mit den zuständigen Ingenieuren der Stadt Essen im intensiven Aus-tausch. Dass die Sanierung weder einfach noch billig werden wird, wurde schnell klar. „Nach meiner Einschätzung machen die Ingenieure und Planer einen sehr guten Job. Wir sind uns einig, dass die Verbindung über die Ruhr auch während der umfangreichen Sanierung erhalten bleiben muss. Alle anderen Pläne sind vom Tisch. Es gibt nun Varianten, die noch genauer untersucht werden müssen. Die Brückenkonstruktion ist nicht einfach. Wichtig ist mir, dass die Querung über die Ruhr auch während der Sanierung stets möglich bleibt“, so Kipphardt.

„Es steht außer Frage, dass die Kettwiger Ruhrbrücke für die Kettwiger aber auch für die vor-der-Brücker sowie die Menschen aus dem weiteren Umland die Lebensader über die Ruhr ist. Die örtlich nächsten Ruhrbrücken sind die Gustav-Heinemann-Brücke in Werden oder die Mendener Brücke in Mülheim. Eine Umleitung auf diese Brücken wäre den Kettwigern nicht zumutbar. Man denke nur beispielsweise an Schülerinnen und Schüler, Rettungsdienste oder ans Einkaufen. Zwar gab es auch Gedankenspiele, etwa auf der Höhe zwischen Ickten und Schlosshotel Hugenpoet eine neue Brücke zu bauen. Da nach meiner Einschätzung eine solche Umgehung bei den Bürgern nicht gewünscht ist und wegen der erheblichen Höhenunterschiede sowie anderer Restriktionen konnte ich dazu beitragen, dass diese Vorstellung bald zu den Akten gelegt wurde“, so Kipphardt.

Nach Corona: Bürgerversammlung

Nun liegen zwei Varianten auf den Tisch, die noch genauer untersucht und demnächst von der Politik entschieden werden sollen. „Sehr häufig erreichten mich in den vergangenen Wochen und Monaten Nachfragen Kettwiger Bürgerinnen und Bürger, wie es denn mit der Ruhrbrücke weitergehe. Wegen Corona konnte ich nicht zu einer Bürgerversammlung einladen, zudem befinden sich die planenden Ingenieure wegen einer Asbestsanierung ihrer Arbeitsplätze im Home-Office. Sobald der Corona-Spuk vorbei ist, werde ich diese Versammlung nachholen, zu der auch schon alle Beteiligten ihr Kommen zugesagt haben“, so Kipphardt.

Problem: 3 Brückenbauwerke – Komplettrückbau wirtschaftlichste Lösung

Die gesamte Ruhrbrücke besteht in Wirklichkeit aus drei Einzelbrücken / Teilbauwerken (TBW). TBW 1 über Unterwasser Schleuse, TBW 2 über beide Wehröffnungen der Ruhr und TBW 3 über den Sozial- u. Clubräumen des dortigen Sportvereins und Auslaufbereich Kraftwerk. Brückenüberbau und Widerlager auf den Ruhrufern stehen im Eigentum der Stadt Essen, die Wehranlage mit Pfeiler im Eigentum des Ruhrverbandes und die Kraftwerksanlagen mit Auslauf im Eigentum der RWE (bzw. Rechtsnachfolger). Die derzeitige Einstufung der Ruhrbrücke in die Brückenklasse
30/30 mit einer Achslastbeschränkung auf 13 t ist für den „normalen“ Öffentlichen Verkehr unzureichend.

Nach diversen Untersuchungen, Brückenhauptprüfungen und statischen Nachrechnungen ist nach allgemeiner Einschätzung ein Komplettrückbau und Ersatzneubau des Überbaus aller drei Teilbauwerke (TBW) der Ruhrbrücke die sinnvollste und aller Voraussicht nach auch die wirtschaftlichste Variante. Zwei grundsätzliche, technische Ausführungsvarianten bieten sich für einen Neubau des gesamten Brückenzuges an:

Zur Diskussion: 2 Varianten

Variante „Neubau mit temporärer Hilfsbrücke“

•    Bau einer temporären Hilfsbrücke stromabwärts im Unterwasser der Bestandsbrücke. Umlegen des Kfz-Verkehrs einschließlich des Rad- und Fußgängerverkehrs auf die Hilfsbrücke.
•    TBW 2: Komplettabbruch TBW 2 und Umbau der Auflagerbänke für den neuen Stahlüberbau des TBW 2 als Zweifeldträger. Fertigstellen TBW 2.
•    TBW 1/3: Komplettabbruch oder, falls möglich, Sanierung der Stahlbetonbrückenplatten. Umlegen des Verkehrs auf die neuen TBW 1 bis 3.
•    Rückbau der Hilfsbrücke im Unterwasser.


Variante „Neubau mit neuer Brücke in Parkposition und anschließendem Querverschub in die Bestandslage“

•    Bau des neuen TBW 2 als Zweifeld-Stahlüberbau und der TBW 1 und 3 mit vergrößerten Stützweiten stromabwärts im Unterwasser der Bestandsbrücke in einer Parkposition. Umlegen des Kfz-Verkehrs einschließlich des Rad- und Fußgängerverkehrs auf die Brücke in der Parkposition.
•    TBW 2: Komplettabbruch TBW 2 und Umbau der Auflagerbänke für den neuen Stahlüberbau des TBW 2 als Zweifeldträger und Anschluss der Auflagerbänke an die Hilfspfeiler als Querverschubbahn.
•    TBW 1/3: Komplettabbruch und Umbau der Auflagerbänke für die neuen Stahlüberbauten der TBW 1 und 3 und Anschluss der Auflagerbänke an die Hilfspfeiler als Querverschubbahn.
•    Komplettsperrung des Verkehrs während des Querverschubes der TBW 1 bis 3 aus der Parkposition zurück in die Endlage des Bestandsbauwerkes.
•    Umlegen des Verkehrs auf die neuen TBW 1 bis 3 und Rückbau der Hilfspfeiler einschl. Querverschubbahnen im Unterwasser.



Wie geht es weiter? Zeitachse?


•    2021 Erstellung einer Machbarkeitsstudie / Behandlung in den Gremien / Herbeiführung eines Planbeschlusses; (neben der technischen Bewertung der Bauverfahren mit Kosten sind die räumlichen / städtebaulichen Gegebenheiten und die rechtlichen Abhängigkeiten mit den Miteigentümern und Mietern, dem Ruhrverband, dem RWE und dem Sportverein und den Eigentümern beanspruchter Grundstücke im Detail zu klären)
•    2022/23 Objektplanung und Tragwerksplanung sowie Ausschreibungsbeginn der Leistungen
•    2024 – 2026 Neubau des gesamten Brückenzuges sowie Rückbau der Altkonstruktion u. Behelfsanlagen

Gute Nachricht für alle Kettwiger

Der Bauwerkszustand lässt es nicht erwarten, dass es notwendig sein wird, vor der Neubaumaßnahme weitere Verkehrslastbeschränkungen (aktuell 24 t) oder eine Sperrung der Brücke für den Öffentlichen Verkehr anzuordnen.

Die neue Brückenkonstruktion soll auf Ziellastniveau (Lastmodell 1 nach DIN  EN 1991-2) ausgelegt werden. Das würde die meisten Einwirkungen aus LKW- und PKW-Verkehr zukünftig abdecken.


Die Ruhrbrücke ist die Visitenkarte für Kettwig

„Wenn die Ruhrbrücke neu gebaut wird, sollte sie nicht nur funktional und sicher für alle Verkehrsteilnehmer sein, sondern gleichzeitig auch eine Visitenkarte für Kettwig. Bei vielen Kettwigern besteht der Wunsch, dass auch Blumen oder eine Verweilmöglichkeit auf der neuen Brücke geschaffen werden. Leider wurden in der Vergangenheit immer wieder Blumenkästen an der Ruhrbrücke mutwillig zerstört. Ich bin aber optimistisch, dass es konstruktive und bezahlbare Vorschläge gibt, die neue Brücke aufzuhübschen“, so Kipphardt. „Und vielleicht gibt es am Ende auch ein Licht- und Farbkonzept für die neue Brücke.“


Konstruktive Vorschläge erbeten

Kipphardt: „An der Komplexität des Themas kann man ersehen, welch umfangreiche Untersuchungen und Planungen dem Vorhaben vorausgehen. Sehr ausführlich wurde ich auch von den Ingenieuren über die einzelnen Tragwerksbauwerke hinsichtlich Materialien und deren Problematiken informiert. Umgekehrt konnte ich Hinweise hinsichtlich des möglichen Platzbedarfs für Rampen und Lagerplätze für Baumaterialien geben. Ich fände es gut, wenn sich die Kettwiger Bürgerinnen und Bürger konstruktiv diesem Thema zuwenden würden, damit die Brückensanierung mit möglichst wenig Belastungen für alle Beteiligten durchgeführt werden kann. Gerne nehme ich Vorschläge entgegen und leite sie weiter.“ Bitte mailen an: kipphardtguntmar@gmail.com

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Daten und Fakten zur Kettwiger Ruhrbrücke

Von den Anfängen   
Urkundlich erwähnt wurde eine Brücke über die Ruhr in Kettwig im Jahre 1282, also vor 738 Jahren. Im Laufe der Zeit wurde diese Brücke immer wieder umkämpft, beschädigt und abgerissen. 2 Jahrhunderte gab es lediglich einen Fährbetrieb als Flussquerung.

Vorgängerbrücke   
Der Kettwiger Gemeinderat beschloss 1861 den Bau einer neuen Brücke, allerdings ohne „allerhöchste Genehmigung“. Später wurde Kettwig zu einer Schadensersatzzahlung von 16.500 Talern an das Haus Hugenpoet verurteilt, das bis dahin das Fährrecht über die Ruhr besaß.

Stauwehr   
1911 wurde die Ruhrbrücke umgebaut, denn bis dahin war die Ruhr in Kettwig nicht gestaut.

Brückenzoll   
Bis zur Eingemeindung von Vor der Brücke am 15. Mai 1930 musste ein Brückenzoll von 1 Pfennig gezahlt werden; Pferdefuhrwerke mussten 3 Pfennige im Kassenhäuschen entrichten.

Sprengung   
In der Nacht vom 11. auf den 12. April 1945 wurde die Brücke von Deutschen gesprengt, um die amerikanischen Truppen aufzuhalten.

Unsere Ruhrbrücke   
Die heutige Brücke wurde als Stahl-Vollwandträgerbrücke vom Ruhrverband beauftragt und von der Friedrich Krupp AG gebaut. Am 28. Juni 1950 wurde sie dem Straßenverkehr über-geben. Sie ist 175 m lang und wird vom Stauwehr des Kettwiger Stausees getragen. Die Schleuse und das Laufwasser-kraftwerk kamen in den 40er Jahren hinzu.